Über ein Dutzend Daily Talks präsentieren sich auf deutschen
Fernsehbildschirmen und bieten werktäglich etwa 13 Stunden
Show-Talk.
Die oft heftige Kritik misst diese Talk-Formate meist an den gängigen journalistischen Maßstäben von Information, Kultur und
Unterhaltung. Mit rationalen Gründen allein lässt sich das Phäno-
men der Daily Talks jedoch nicht hinreichend erklären.
Der Autor fragt aus der Perspektive der Zuschauer nach den
Nutzungsmotiven dieser Sendereihen, die vor allem von den
Emotionen der Fernsehzuschauer beeinflusst werden.
Diese Affekt-Talks sind prädestiniert, die in der medienwissen-
schaftlichen Forschung oft vernachlässigten unbewussten Fern-
sehnutzungsgründe zu untersuchen.
Zwei Jahre, nachdem sich die privaten Rundfunkanbieter im
'Code of Conduct' selbst Leitlinien für die Gestaltung der affektiven
Daily Talks auferlegten, werden deren Eignung und Anwendungs-
problematik diskutiert.
Dabei geht es weniger darum, mit erhobenem Zeigefinger auf
Versäumnisse und Missverständnisse aufmerksam zu machen,
sondern um einen Appell an Talk-Kritiker, Landesmedienanstalten,
Talk-Produzenten und Fernsehzuschauer, bestimmte Grenzen und
einen gewissen Grad an Menschenwürde zu beachten.