Heinz Kersten gehörte zu den wenigen westdeutschen Kritikern, die
regelmäßig Ostberliner Inszenierungen (einschließlich Gastspielen aus
der 'Provinz' und Osteuropa) rezensierten.
Dabei galt seine Aufmerksamkeit nicht nur den Arbeiten renommierter
Regisseure und Dramatiker, sondern ebenso scheinbar 'unbedeuten-
den' Produktionen, die im Westen gar nicht wahrgenommen wurden.
All dies stets gesehen in einem kulturpolitischen Kontext, spielte doch
das Theater in der DDR eine bedeutende gesellschaftliche Rolle,
erfüllte eine Ersatzfunktion für die sonst fehlende kritische Öffent-
lichkeit.
So dokumentieren Heinz Kerstens Rezensionen auch ein Stück Zeit-
geschichte, wie sie bisher als Theatergeschichte noch nicht beachtet
wurde.
Regelmäßg gesendet wurden seine Kritiken am Morgen nach der
Premiere als 'Frühkritik' im RIAS Berlin sowie von verschiedenen
Radiosendern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Außerdem erschienen sie in zahlreichen regionalen und überregionalen
Printmedien.
Mit Aufführungsdaten, Namensregister und Bildmaterial ergänzt, sind
die über 240 Theaterkritiken lesenswerte Erinnerungen und gleich-
zeitig Nachschlagewerk für Fachleute und Theaterinteressierte.