'Stellen Sie sich immer gut mit der Botschaft und überschreiten Sie
nie Ihren Etat.' Diesen ihm beim Amtsantritt 1956 vom Auswärtigen Amt erteilten Rat musste der erste Leiter des German Cultural Institute London als ernst gemeinte strategische Vorgabe für seine Tätigkeit ansehen.
Im Bonn Konrad Adenauers war eine kulturelle Auslandsarbeit der Bundesrepublik Deutschland nur denkbar, die – wie sogar die
FAZ kritisierte - 'alles zu vermeiden suchte, was politisch anstoßen könnte.'
Auf die Dauer hatte es dann mit 'blank geputzten Schaufenstern'
doch nicht sein Bewenden.
Nach der Vorstellung etlicher konservativer deutscher Politiker sollte das Publikum der Goethe-Institute möglichst auf kulturelle Inhalte
von schöner Beliebigkeit treffen.
Dass es nicht so kam, war einer kleinen Schar aufklärerischer Mitarbeiter des Goethe-Instituts zu verdanken. Sie verstanden es, selbst ausgesprochen konservative Diplomaten vor Ort zu überlisten. Die Institute in Rom und Paris hatten seit Mitte der 60er Jahre vorgemacht, dass nur mit engagierten Veranstaltungen deutsche Kulturarbeit im Ausland den in sie gesetzten Erwartungen gerecht werden konnte.
Für den Autor Bernhard Wittek, der seit 1961 die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Münchener Zentrale leitete, war das
erste Vierteljahrhundert des Goethe-Instituts die entscheidende Phase der Gestaltung und Vermittlung einer wirksamen Kulturarbeit,
um die man die Deutschen in vielen Teilen der Welt noch heute beneidet.
Aus dem Inhalt:
Horst Harnischfeger Vorwort: Ohne Erinnerung kann keine Idendität entstehen
Einleitung: Goethe als literarische Konnotation oder
Internetadresse: Name und Status als Problem
Die schwere Geburt des Goethe-Instituts
Von der Nottaufe zur Identitätssuche
Die Deutsche Akademie - Vorbild oder warnendes Beispiel ?
Pflegestätte für Deutsch und Nische für Gefährdete -
das erste Goethe-Institut
Das neue Goethe-Institut sucht seinen Standort
Auf zu neuen Ufern: Die Gründung der Unterrichtsstätte
Sprachkurse im Inland: 'Wir bauen einen Dom'
Tondano - oder wie knüpft man ein weltweites Institutsnetz
Bundeseigene Kulturinstitute - zum Beispiel Rom und London
Kultur ist nicht unpolitisch - zum Beispiel Kulturprogramme
Anmerkungen
Anhang: Leitsätze für die auswärtige Kulturpolitik, 1970