Schriftenreihe Medienforschung
der LfM Landesanstalt für Medien
Nordrhein-Westfalen (Hrsg.);
Band 48 herausgegeben
von Ralph Weiß
592 S., 25 Abb/Tab., DIN A5, 2005
Die Studie 'Zur Kritik der Medienkritik' hatte zum Ziel, die Funktionalitäten und Leistungen der Medienkritik, die zur Verständigung einer Gesellschaft über die Beeinflussung des politischen, sozialen und kulturellen Lebens durch Medien beitragen kann, transparent zu machen.
Im Vordergrund stand hierbei die Thematisierung des Fernsehens in den Printmedien.
Auf der Basis von Fallstudien zur Berichterstattung über die 'TV-Duelle' im letzten Bundestagswahlkampf, die Kirch-Insolvenz, die Rolle der Medien im Irakkrieg und die Unterhaltungsshow 'Deutschland sucht den Superstar' wurden typische Muster öffentlicher Fernsehkritik und die jeweils zugrunde liegenden Bewertungsmaßstäbe untersucht.
Im Rahmen einer Kommunikatorstudie konnten die institutionellen Strukturen und die Akteurszusammenhänge abgebildet werden.
Je nach Medientyp und Selbstverständnis der Redaktionen und Redakteure unterscheiden sich die Ausrichtung und das kritische Potenzial des Medienjournalismus deutlich.
Während Boulevard- und Programmzeitungen ihren Fokus auf
Unterhaltungsaspekte legen, findet eine aufklärende Kritik vorwiegend
in überregionalen Qualitätszeitungen und der Fachpresse statt. Aber
auch bei den Qualitätsblättern konnten inhaltliche und strukturelle Defizite identifiziert werden, die die Leistungsfähigkeit der Medienkritik schmälern.
Vor diesem Hintergrund werden Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Medienkritik gegeben, die als Anregungen für die medienpolitische Debatte dienen können.
Aus dem Inhalt:
Vorwort:Norbert Schneider und
Wolfgang Hahn-Cremer
Ralph Weiß Wozu eine Kritik der Medienkritik? Relevanz der Fragestellung und Anliegen der Studie
Übersicht über den Aufbau des Berichts
Leistungen der Medienkritik – Themen, Formen, Topoi
Claudia Hillebrand Das Fernsehen im Spiegel der Printmedien –
Konturen der Berichterstattung Untersuchungsdesign. Erkenntnisinteresse/
Gegenstand/Durchführung.
Profile der Printmedien: Medienspezifische Charakteristika
öffentlicher Fernsehberichterstattung
Skizze: Grundlegende Merkmale der untersuchten Printmedien und ihrer Fernsehberichterstattung/Themenstruktur und prominente Hauptthemen/Journalistische Darstellungsformen/Orte der Berichterstattung/Inhaltliches Profil der Medienseiten
Themenprofile: Modi der Thematisierung.
Sendungs- und Programminhalte/Medienprominenz/
Medienwirtschaft/Medienpolitik und Medienrecht
Joan Kristin Bleicher Kritik der Programmangebote: Unterhaltung und Information Kritik der Unterhaltung im Fernsehen.
Darstellungsanliegen bei der Thematisierung von Unterhaltungs-
sendungen/Orientierung der Darstellungsanliegen an Leserinter-
essen/Die Darstellungsanliegen der Aufmerksamkeitssymbiose
von Fernsehen und 'Bild'
Themenschwerpunkte der Kritik von Unterhaltungssendungen:
Bewertung der Sendungsqualität. Argumentationsmuster der
impliziten Kritik von Unterhaltungssendungen/Argumentationsmuster
der expliziten Kritik der Qualität künstlerischer Produktionen/Kritik des
Wirklichkeitsverlustes der Fernsehfiktion/Kritik als Grundlage einer allgemeinen Qualitätsbewertung des Fernsehens/ Themenschwer-
punkte der kontinuierlichen Programmbeobachtung/Fernsehethik: Formen der Auseinandersetzung mit problematischen Sendungs-
produktionen
Fallbeispiel Medienethik: Die Thematisierung der vierten Staffel von
'Big Brother'. Kandidaten im Vergleich/Big Brother im Sendungs-
vergleich/Selbst-Kritik der fehlenden Kritik/Fortschreibung der Show in der 'Bild'
Fazit zum Fallbeispiel 'Big Brother'
Kontextbildung innerhalb der publizistischen Beschäftigung mit
Unterhaltungssendungen. Zeitbezüge/Internationale Programmentwicklung/
Allgemeine Wirkung von Unterhaltungssendungen
Zwischenfazit der Analyse von Kritiken zur Fernsehunterhaltung.
Kritik der Information im Fernsehen. Darstellungsanliegen der Kritik
informierender Sendungen/Strategie der Themenreproduktion/
Orientierungshilfe durch das Vorstellen von Sendungsinnovationen/
Themenschwerpunkte der Texte über informierende Sendungen.
Sendungsqualität/Das Verhältnis von Medien und Politik/Die kritische
Beobachtung des Mediensystems/Medienwirkung/Selbstverständigung
über professionelle Standards des Journalismus/ Kriegsbericht-
erstattung/Die Flutberichterstattung als publizistische Leistungsschau und Beispiel medialer Dramatisierung /Kritik der 'Sensationsgier'
Zwischenfazit zur Kritik informierender Sendungen.
Fazit: Kritik von Information und Unterhaltung im Fernsehen.
Formen und Funktionen der Thematisierung des Fernsehens
Anlässe der Berichterstattung/Themenschwerpunkte der Kritik/
Argumentationsmuster und Wertungskriterien der Fernsehkritik/
Kritik der Kritik
Knut Hickethier Die Kritik am Medium Fernsehen als einer wahrgenommenen
gesellschaftlichen Gesamtinstitution Fernsehen als wahrgenommene 'mediale Einheit'.
Kritik als Modellkonstruktion, als Modellierung des Fernsehens
Thematisierungsmöglichkeiten von 'Totalität'/Untersuchungsmaterial
und Methode/Fernsehkritik braucht Anlässe/Stellvertreter, Metapher,
Indikator/Ironie und Nostalgie
Fernsehen als eine ökonomische Einheit in der Kritik.
Das Produkt als Resultat eines ökonomischen Zustands/Das Programm
als ökonomisches Operationsgebiet/Die Krise als Katalysator und
zentraler Topos der Kritik/Medienkritik als Bericht einer Gewinn-
warnung/Medienkritik als Bilanzanalyse?/Wechselspiel von Ökonomie und Programm – als Kritikziel
Reduktion der politischen Kritik des Fernsehens. 'Opfer und Räuber'/
Der Ruf nach einer Medienpolitik der Bundesregierung/
Forderungen nach einer neuen Medienpolitik durch die Kritik
Die Kritik und das technische Medium Fernsehen. Fernsehen als
Wirkungstotalität Programmkonzepte – das Fernsehen wird liquidiert und neu erfunden.
Fernsehkritik als Trendbericht.
Fernsehkritik am 'sprechenden' Detail. Crossreading/Der 'verräterische Satz'/Die Suche nach dem archimedischen Punkt
Fernsehkritik als Kritik der personalen Systeme in den Medien.
Kritik der medienpolitischen Akteure: Filz und Intrigen/Kritik des Fernsehens über dessen Repräsentation durch TV-Stars
Kritik als Mittel der Aufmerksamkeitserzeugung. Die verschiedenen Medien als Plattform für eine Profilierung von Prominenz/Von der kritischen Argumentation zur Aufmerksamkeitserzeugung/Kritik als Teilhabe am medialen Glanz der Stars und des Showgeschäfts
Ralph Weiß TV-Duelle – im Spiegel des öffentlichen Räsonnements Das Thema: Ein neues Format der Mediatisierung von Politik
Die analytische Aufgabe und das methodische Vorgehen
Der öffentliche Diskurs über das Verhältnis medienvermittelter Selbstdarstellungsstrategie und politischer Programmatik
Der öffentliche Diskurs über das Verhältnis von medialer
Inszenierungsweise (Medienlogik) und politischer Selbstdarstellungs-
strategie/Leistungen öffentlicher Medienkritik und ihre Schranken –
Schwächen mit System?
Anja Herzog Die Kirch-Pleite und ihre Folgen – Nachforschungen über
medienökonomische Verflechtungen Vorgehensweise.
Chronik der Berichterstattung zur Kirch-Insolvenz.
Menetekel – öffentliche Lehren aus dem Scheitern Kirchs.
Unternehmenspolitische und medienwirtschaftliche
Perspektive – Spekulationen zu Gewinnern und Verlierern/ Medienpolitische Dimension – Wahlkampf mit Kirch/
Publikumsinteressen/Mythos Kirch
Fazit
Diskurs um Kirchs Springer-Anteile.
Sachlicher Hintergrund und zeitlicher Verlauf des Diskurses/
Die sehr politische Ökonomie der Springer-Aktien/
Instrumentalisierung der Springer-Presse und Konkurrenzbeobachtung
Fazit
Berichterstattung zu den Fußballrechten. Sport als Ware von
öffentlichem Interesse/Wie Marktinteressen und Fußballinteressen
zusammengehen/Zukunft der Fußballübertragungen und Wert der
Fußballrechte/Bayerns Geheimvertrag als Sündenfall des
kommerzialisierten Fußballs
Leistungen und Defizite der Berichterstattung zur Kirch-Insolvenz.
Christiane Eilders Medien im Irakkrieg: Leistungen und Grenzen der
Selbstreflexion Fragestellung.
Untersuchungsdesign und Vorgehen der quantitativen Analyse.
Inhaltliche Strukturen der Metaberichterstattung. Materiallage/Formale
Variablen/Gegenstandsebene/Kritik/Reflexionsniveau/
Zusammenfassung der Befunde der quantitativen Analyse
Qualitative Analyse: Selbstreflexion in der überregionalen Qualitätspresse.
Zielsetzung der qualitativen Analyse/Vorgehen bei der qualitativen Analyse/Aussagen und Argumentationsmuster der Selbstreflexion/
Zusammenfassung der Befunde der qualitativen Analyse
Knut Hickethier 'Bild erklärt den Daniel oder 'Wo ist Küblböcks Brille?' –
Medienkritik zur Fernsehshow 'Deutschland sucht den
Superstar' (2003)
Konzept der Untersuchung.Zur Sendung 'Deutschland sucht
den Superstar'/Zum Vorgehen der Untersuchung
Unterhaltungsverstärkung als Form der Partizipation – 'Bild erkärt
den Daniel.
Die Berichterstattung in der Anlaufzeit der Serie/Das Vorstellen
der 'Finalisten' als 'Typen'/Die Berichterstattung in Form kleiner
Kampagnen/Die Serie als Event und die Mitwirkung der 'Bild'-
Leser/Zwischenbilanz: Skandalisierung und Euphorisierung
der Show durch 'Bild'
Partizipation in Etappen und kritische Distanz – 'Superstar'
in der Programmzeitschrift 'TV-Today'. Wie hart die Arbeit an
der Unterhaltung ist/Wechsel vom Bericht zur Showteilhabe
'Wo ist Küblböcks Brille ?' oder: Tagesbegleitende
Reflexionen in den Qualitätszeitungen. 'Superstar' in der
'Süddeutschen Zeitung'/'Superstar' in der 'Welt'/'Superstar' in
der 'Frankfurter Rundschau'/'Superstar' in der 'Frankfurter
Allgemeinen Zeitung'/'Superstar' in der 'tageszeitung'/Fazit zur
Kritik der Show in den Qualitätszeitungen
Zusammenfassung: zwischen Skandalisierung und reflexivem
Spiel. Gemeinsamkeiten der Qualitätszeitungen auf drei Ebenen/
Unterschiedliche Profile der Medienkritik in den Qualitätszeitungen/
Kritik als anlassbezogenes Reden/Mehrstimmigkeit der Kritik/
Die Zukunft der Unterhaltungskritik
Medienkritik aus Akteursperspektive – Strukturen und
Netzwerke der Medienberichterstattung in Printmedien
Kerstin Engels Aspekte der Medienkritik aus Akteursperspektive –
Theoretische Überlegungen, Forschungsstand und Methode Untersuchungsansatz: Der strukturelle Zusammenhang der
Medienkritik.
Forschungsarbeiten zur Medienkritik aus Akteursperspektive.
Akteursmerkmale: Tätigkeiten und Qualifikationen.
Merkmale und Einbettung der Medienkritik. Ausdifferenzierung von
Medienjournalismus und Medienkritik/Akteurskontexte der Medienkritik
Organisationszusammenhang. Redaktionelle Strukturen/ Arbeitsroutinen und Ressourcen der Medienkritik
Berufsnormen. Berufsauffassungen im Selbst- und Fremdbild/
Berufsstandards
Medienkritik als Interessengeflecht. 'Blinder Fleck'/'Interessen
dschungel'/ Binnenorientierung
Medienkritik als Kommunikationsnetzwerk.
Kategorien der Untersuchung.
Kerstin Engels Merkmale der Arbeitsorganisation Redaktionelle Konzepte und Merkmale der Arbeitsorganisation.
Aktuelle Tages- und Wochenpresse/Fachmedien/
Programmpresse/Zur Rolle der freien Autoren in den Redaktionen
Arbeitsroutinen und Quellen der Medienberichterstattung.
Auswahl, Darstellung und Bewertung von Themen/Aktuelle
Tages- und Wochenpresse/Fachmedien/Programmpresse/
Freie Fernsehkritiker und Medienjournalisten/Quellen der
Berichterstattung/Aktuelle Tages- und Wochenpresse/
Fachmedien/Programmpresse/Freie Fernsehkritiker und
Medienjournalisten/Arbeitszusammenhänge aus der Sicht
von PRFachleuten/Organisationsmerkmale/Merkmale und
Zielsetzungen der Pressearbeit für Fernsehveranstalter/
Arbeitsroutinen/Netzwerke der Medienberichterstattung
Resümee: Konzepte und Arbeitsweisen der Medienberichterstattung.
Kerstin Engels Berufszusammenhang Medienjournalisten als Berufsgruppe?.
Berufliches Selbstverständnis. Rollenauffassungen/ Faktoren der professionellen Orientierung/Zielgruppen der Medienjournalisten/ Status/Berufszugang und Qualifikationen/ Berufliche Anforderungen und Ausbildungswege/Wege in den Medienjournalismus und die Medienkritik
Resümee: Berufsfeld Medienjournalismus.
Kerstin Engels Kritik der Praxis: Chancen und Zwänge der Medienkritik Akteure und ihre Potenziale aus Expertensicht. Das Spektrum
der Kritik außerhalb der Tages- und Wochenpresse/Medienkritik in der aktuellen Presse/Zu der Rolle weiterer medienkritischer Akteure/ Publizistische Medienkritik im Wechselspiel der Printmedien
Einflüsse der Medienkritik. Die Einschätzung des Publikumsinteresses/
Zum Einfluss der publizistischen Medienkritik
Konfliktlagen durch spezielle Abhängigkeiten. Berichterstattung über
Interna/Rücksichtnahmen aufgrund wirtschaftlicher Interessen und
Verflechtungen/Konfliktlagen bei Freien
Perspektiven der publizistischen Medienkritik.
Schlussfolgerungen
Kerstin Engels, Knut Hickethier und Ralph Weiß Diskurse über das Fernsehen – Raum für Kritik? Publizistische Foren für die öffentliche Verständigung über
das Fernsehen – Medientypen und Angebotsformen.
Akteure der publizistischen Medienkritik.
Themen und Funktionen fernsehbezogener Publizistik.
Kritik der Fernsehunterhaltung – zwischen Werkkritik und parodistischem Spiel im Selbstbewusstsein der 'Ohnmacht'/Kritik der Fernsehinformation – (parteiliche) Skepsis anstelle der Kritik der medialen 'Darstellungslogik'/ Berichterstattung über Kontexte –'Ökonomisierung' der öffentlichen Betrachtung des Fernsehens/ Entertainisierung der Fernsehberichterstattung und Programmbe-
sprechung als Werbung/Fehlanzeige: Nutzung und Wirkung des Fernsehkonsums
Leistungen und Schwächen der Fernsehkritik.
Otfried Jarren und Sarah Zielmann Ausblick: Institutionalisierungsmöglichkeiten für Medienkritik Medienkritik zwischen Wandel und Umbruch:
Ausgangsbedingungen der heutigen Medienkritik.
Wurzeln struktureller Probleme der Medienkritik/Medienkritik als
Selbstverständigungsdiskurs im Wandel
Umbrüche: Infrastrukturen, Themen, Adressaten und Funktionen des
medienkritischen Selbstverständigungsdiskurses. Fragil und volatil:
Die Infrastrukturen/Vielfältig und profiliert: Medien und Themen/
Unterschiedlich und anspruchsvoll: Die Adressaten/
Anschlusskommunikationen: Funktionen des medienanalytischen
und –kritischen Selbstverständigungsdiskurses
Fazit: Institutionalisierungsmöglichkeiten.
Literatur/Liste der befragten Expertinnen und Experten